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Zum Thema: Integration und Zuwanderung (Achtung: Ironie!)

Vor kurzem habe ich meine eigenen Erfahrungen zum Thema "Zuwanderung" gemacht. Ich bin nämlich zugewandert. Und zwar bin ich 10 km ausgewandert von der Stadt in das Dorf. Doch seitdem habe ich eine Ahnung davon, was Zuwanderung bedeutet.

Den ersten Eindruck habe ich bekommen, als ich im örtlichen Kaufmannsladen einkaufen war. Als ich eines Samstags an die Wursttheke trat, um ein wenig Aufschnitt und Grillfleisch zu kaufen, bemerkte man (bzw. die Wurstverkäuferin), dass sie mein Gesicht noch nicht kannte. Es drang zwar kein Wort über ihre Lippen, doch aus Mimik und Körpersprache war doch gut zu sehen, dass sie bemerkt hatte, dass ich ein "Zugezogener" war, den sie noch auf keinem der dörflichen Feste gesehen hatte. Sie dagegen war eine Alteingesessene. Dies war unschwer zu bemerken, hatte sie doch vorher mit Cilli, Lisbeth und Maria fröhlich schwadroniert, hatte ihnen sehr kommunikativ Mett und luftgetrockneten rohen Schinken verkauft und dabei noch rasch die Veranstaltungen der örtlichen Caritas und der Frauenhilfe besprochen. Außerdem hatte man noch bemerkt, dass oben in der Siedlung ein "Irgendwer" (den Namen hatte ich nicht richtig verstanden) seine Einfahrt neu hatte pflastern und auch sein Haus neu hatte streichen lassen. Ob das wohl bedeuten würde, dass der dies Jahr wohl den Vogel abschiessen würde? Erst später habe ich verstanden, dass man darüber spekulierte, ob derjenige wohl Schützenkönig werden würde. (Leider kann ich nicht sagen, ob es jener wurde. Es gab keine Gelegenheit, jenen zu fragen, der dann Schützenkönig war, ob er es war, der sein Haus hatte streichen und seine Einfahrt hatte pflastern lassen.)

Nachdem die Damen dies also wortreich abgehandelt hatten, kam ich an die Reihe, der Neue, der Zugezogene. Die Blicke sprachen Bände. Nicht nur der der Wurstverkäuferin, sondern auch Cilli, Liesbeth und Maria betrachteten mich mit kaum verhohlener Neugier. Ich jedoch liess mir nichts anmerken. Ich wickelte meinen Einkauf ab und ging zur Kasse. Die Dame an der Kasse allerdings machte aus ihrer Neugier keinen Hehl. Während sie die Preise meiner Einkäufe in die Kasse eintippte, kamen ganz unverblümt die Fragen, ob ich denn neu zugezogen sei, wo ich denn wohne, ob das zur Miete sei usw. Nein, schüchtern war die Dame an der Kasse nicht. Und da sie schon eine ältere Dame war und ich gelernt hatte, älteren Damen gegenüber höflich zu sein, beantwortete ich all die Fragen. Ja, ich sei neu zugezogen, ich würde am X-weg wohnen, und nein, kein Eigentum, sondern Miete. All die vor und hinter mir in der Kassenschlange - darunter auch Cilli, Liesbeth und Maria - lauschten derweil mit sichtbar gespitzten Ohren und waren wohl froh, dass die Kassiererin - sie schien die Eigentümerin des dörflichen Ladens zu sein - all die Fragen gestellt hatte, die auch ihnen wohl auf der Seele gelegen hatten.

Nichtsdestotrotz lagen weiterhin ihre neugierigen Blicke auf mir. Und diese Blicke folgten mir auch beim Verlassen des Geschäfts. Sie blieben mir immer erhalten, egal wohin ich ging, ob ich spazieren ging rund ums Dorf, ob ich morgens mit dem Auto zur Arbeit fuhr oder abends wieder zurück kam.

Nun war kurz darauf Schützenfest in jenem Dorf. Und in der örtlichen Zeitung war eine Sonderseite gewesen, in der herzlich eingeladen wurde, insbesondere die Neubürger, sich doch an dem festlichen Treiben zu beteiligen. Dort würde sich bestimmt die Gelegenheit ergeben, Kontakte zu knüpfen, die Menschen aus dem Dorf kennenzulernen und ein Stück Geselligkeit und Frohsinn unter dem Motto Glaube, Sitte und Heimat zu finden.

Nun, dachte ich, wenn dem so ist, dann will ich dort einmal hingehen. Aber es ist schon schwer, als "Migrant" aus der Stadt mit den "Eingeborenen" ins Gespräch zu kommen. Zumal, wenn man partout keine Lust hat, bis zum Stillstand der Pupillen zu saufen. Es ist schon merkwürdig, was manche unter Geselligkeit verstehen. Darüber hinaus erntete ich einen bösen Blick, weil ich mich an einen Tisch gesetzt hatte, an dem wohl sonst immer einer der örtlichen Kegelvereine sitzen würde. Ich hatte die heimlichen Reservierungsregeln missachtet. Aber wie konnte ich das auch wissen? Als ich mich dort hin setzte, war der Tisch und der Stuhl frei gewesen. Auch nach den deutschen Reservierungsregeln (Handtuch auf Liegestuhl, Jacke über Stuhllehne usw.) war nicht zu erkennen gewesen, dass dies der Schützenfest-Stamm-Tisch des Kegelvereins "Rund um den Pin" war. Später wurde mir bedeutet, dass ich da einen großen gesellschaftlichen Faux-Pas begangen hatte. Ich hatte mich einfach an deren Tisch gesetzt.

Ich stellte also schnell fest, dass man - zumindest bei diesen Dorffesten - nur dann dazugehört, wenn man bereit ist, bis zur Grenze der Bewusstlosigkeit zu saufen. Das Ablehnen eines Biers führte zu großem Unverständnis und letztlich Ausgrenzung. So, also ob man sich dadurch, dass man kein Bier und nicht den nächsten Tag leidend mit Kopfschmerzen verbringen will, aus böser Absicht nicht in die dörfliche Leitkultur integrieren wolle. Es kursiert wohl die Ansicht, dass man mit der Ablehnung eines alkoholischen Getränks eben auch die dörfliche Kultur ablehne. Und Leitkultur ist eben -auch- Alkoholgenuss auf hohem Niveau. Über Sitte will ich anläßlich mancher Vorkommnisse, deren Zeuge ich werden musste auf jenem Fest, schon gar nicht reden.

Ich ließ es irendwann gut sein und zog mich wieder zurück. Und ich werde es wohl auf Dauer gut sein lassen. Wenn das die örtliche Kultur sein wollte, dann konnte und kann ich ohne auskommen. Ich werde wohl ewig ein Zuwanderer bleiben, da ich mich eben der Leitkultur verschließe.

Später las ich in der Zeitung, dass der örtliche Heimatpfleger sein Amt aus Altersgründen abgegeben hatte. Obwohl er schon mehr als dreißig Jahre in diesem Dorf wohnte und eben sogar Ortsheimatpfleger - nun gewesen - war, wurde er immer noch als Neubürger bezeichnet. Ja, es ist wohl so, dass man erst dann wohl wirklich irgendwo angekommen ist, wenn mindestens drei Generationen der Familie auf dem Dorffriedhof begraben sind.

So ist man halt hier im gebirgigen Westfalen: sachlich, wortkarg und gern mal besoffen.

PS: Natürlich habe ich auf dem Schützenfest auch Cilli, Liesbeth und Maria wieder gesehen, diesmal mitsamt Anhang. Auch hier folgten mir wieder die neugierigen Blicke. Sicherlich hätten sie gern mehr gefragt, aber sie waren - selbst im Rudel - nicht so mutig wie die Kassiererin aus dem Dorfladen. Schade eigentlich, ich hatte mir schon eine schöne Legende über mich zurechtgelegt. Das hätte einen Spass gegeben.

2.7.07 19:38


Der erste Eintrag

Dies ist mein erster Blog-Eintrag. Noch ist alles neu. Ich weiß nicht, ob schon alles so gut aussieht, ob es optisch schon so gut ist, wie ich es mir wünsche. Es kommt mir vor, als ob ich mir eine neue Wohnung einrichte. Ich bin quasi am Streichen, am Tapezieren, am Fliesen legen usw.

Irgendwie finde ich es ganz spannend. Man hört und liest ja so viel über Blogs, über die interessanten Einträge, wie man eben über öffentliche Tagebücher an dem Leben anderer ein Stück teilhaben kann. Ich bin neugierig, das gebe ich zu. Ich bin neugierig auf das, was ich hier lese, ich bin aber auch neugierig auf das, was ich hier schreibe bzw. schreiben werde. Keine Ahnung was wird, aber ich will es mal probieren.

Auf die eine oder andere Weise gibt man eben auch Einblick in das eigene Leben. Wieviel Einblick ich geben werde, das wird sich noch zeigen.

Ganz am Anfang möchte ich jedoch schon etwas zu meinem Namen sagen, unter dem ich hier schreibe. Er sagt etwas über mich aus und auch darüber, wo ich herkomme. Leider ist es hier nicht erlaubt, den Namen mit Unterstrichen zu schreiben, hier will ich dies tun: proud_maverick_pb

Aus dem Englischen übersetzt bedeuten die beiden ersten Teile "stolzer Einzelgänger". Dieser Name zeigt einen Teil meiner Identität. Ich bin gern allein. Ich liebe es sogar, allein zu sein. Und solange ich mich erinnern kann, bin ich schon immer viel allein gewesen. Na gut, ein paar Freunde habe ich auch, aber nicht sehr viele. Aber die wohnen nicht so nah, so dass man sich höchstens einmal im Jahr sieht. Ansonsten bin ich eben allein. Zugegeben, ein oder zwei Mal im Jahr ist das ein wenig nervig, aber diese Tage, wo überall auf Familie oder auf Clique, Party usw. gemacht wird, gehen auch vorbei. Außerdem kann man verreisen, dahin, wo einen niemand kennt und wo man in Ruhe gelassen wird. Und nur so nebenbei: "Ruhe" ist eines meiner Lieblingswörter.

Wie gesagt, ich bin schon immer eher ein Einzelgänger gewesen. Was mit dazu beigetragen hat, das ist die Tatsache, dass ich immer, wenn ich mich allein um etwas gekümmert habe, allein gekämpft habe, eben insgesamt allein etwas gemacht habe, dann habe ich die weitaus besseren Ergebnisse erzielt, als wenn ich gezwungen war, in einer Gruppe bzw. mit einer Gruppe zu arbeiten.

Hinzu kommt noch, dass ich die wenigen Male, in denen ich in Gruppen war, mehrfach menschlich enttäuscht wurde. Ich wurde sogar so sehr enttäuscht und verletzt, dass ich darüber krank wurde. Und ja, noch heute kämpfe ich mit den Schatten aus dieser Zeit. Vielleicht schreibe ich später irgendwann noch einmal über dieses Thema, für den Anfang soll es reichen.

Noch eine Bemerkung zu dem "pb" am Ende. Es ist das Auto-Kennzeichen meiner Heimatstadt. Ich liebe diese Stadt zwar nicht, ich lebe nur hier, aber irgendwo ist diese Stadt der Platz, an dem ich lebe, an dem ich auskenne, wo ich weiß, wo es die beste Curry-Wurst und den besten Döner gibt, wo eben die guten und schlechten Dinge des Lebens zu finden sind. Ich gebe zu, es gibt mir Sicherheit. Dennoch träume ich ab und zu davon, diese Stadt zu verlassen, irgendwo neu anzufangen, wo mich keiner kennt, aber bislang hat mich doch so etwas wie eine Angst davon abgehalten. Aber dazu später auch mehr.

Soweit erst einmal dieser erste Eintrag.

Aber Halt, eben doch noch eine Anmerkung. Mein Blog-Name (so will ich es mal nennen) ist nicht umsonst in Englisch. Ich liebe diese Sprache und spreche sie gern. Dennoch hasse ich diese ganzen "englischen" Ausdrücke in der deutschen Sprache. Ich bin da Purist. Das ist übrigens noch ein weiterer Wesenszug von mir. Aber dazu später auch mehr.

 

12.12.06 17:08





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